Lieber Papageno als Werther!

Goethe und Mozart waren Genies. Ein jeder auf seine Art und Weise. Ich bewundere beide – aber bei einem Punkt ist mir Mozart lieber.

In Mozarts „Zauberflöte“ gibt es den Vogelhändler Papageno, der sich umbringen will, weil er seine geliebte Papagena als verloren glaubt. Zum Glück schaffen es drei Knaben, ihn von diesem Vorhaben abzubringen.

In der Psychologie haben wir heute den Werther-Effekt (nach Goethes Werk „Die Leiden des jungen Werthers“ im Romantismus) und den Papageno-Effekt (nach Mozarts Zauberflöte).

Leider ist der Werther-Effekt viel bekannter. In Goethes Werk nahm sich der junge Werther das Leben, weil er nicht mit seiner Geliebten zusammenkam. Der Selbstnord aus frustrierter Liebe wurde damals als „romantisches Highlight“ angesehen und reihenweise brachten sich junge Männer um. Sie wollten damit nur ihre Liebe beweisen.

Schlimm ist der Werther-Effekt heute noch, wenn jemand sich durch den Freitod eines Promis darin bestätigt fühlt, dasselbe zu tun.

Unbekannter ist der Papageno-Effekt. Also, die Verhinderung eines Selbstmordes, weil Außenstehende den Betroffenen vor dieser Untat bewahren und ihm die Schönheiten des Lebens aufzeigen können.

Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, hat sein Überleben des Konzentrationslagers in einem Buch niedergeschrieben. Mit dem Titel Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.

Das gilt auch für die Prävention des Selbstmordes. Wer den höheren Sinn des Lebens erkennt, wird sich nicht leichtfertig das Leben nehmen. Und damit spiele ich kein Leid nieder.

Im Gegenteil, ich nehme persönliches Leid sehr ernst. Manches Leid meiner Klienten kann ich nachvollziehen und verstehen. Manch anderes kann ich mir nur vorstellen. In beiden Fällen urteile ich nicht. Ich bin immer bestrebt, das Leben zu erhalten und es lebenswert zu machen.

Darum bin ich überzeugt, dass Selbstmord (Suizid, Freitod etc.) keine (Er)Lösung ist.

Warum ich das so sehe, erkläre ich in meinem Vortrag am 31.03.2019 in Amsterdam.

Weitere Informationen sind dem Foto zu entnehmen oder können an mich per Mail kazaa71@web.de bzw. per Whatsapp +491784113484 gerichtet werden.

OB8 – Noten gegen Missbrauch

Am 30.03.2019 veranstaltet Tour41 e.V. in der Sülztalhalle Kürten einen Benefizabend mit Live-Programm für eine Kultur des Hinsehens & Hinhörens.

Offiziellen Statistiken zufolge werden in Deutschland jeden Tag 41 Fälle des sexuellen Missbrauchs an Kindern gemeldet. Das sind im Jahr 14.965 schreckliche Verbrechen, deren Dunkelziffer sicher noch um ein Einiges höher ist. Eine Anzeigepflicht von sexuellem Missbrauch an Kindern besteht in Deutschland nicht.

Und es gibt Verjährungsfristen dieser Straftaten hierzulande. Und genau für die Abschaffung dieser Fristen kämpft Tour41 e.V.

Diese wichtige Arbeit kann jeder gerne unterstützen. Auch durch den Besuch des unten angekündigten Benefizabends!

Veranstaltung: OB8 – Noten gegen Missbrauch

Datum: 30.03.2019

Ort: Sülztalhalle Kürten, Olpener Straße 1, 51515 Kürten

Ticketpreis 15,-€

10 Jahre Unisana – Tag der offenen Tür

Die Gemeinschaftspraxis Unisana in Köln bietet seit 10 Jahren ein breites Spektrum verschiedener Therapieangebote an. Ich selbst bin seit fast 8 Jahren mit dabei und schätze es sehr, wie die Inhaber Ulrike und Harald Deutsch das Praxiszentrum leiten.

Am 06.04.19 feiern wir das 10-jährige Jubiläum von Unisana mit einem Tag der offenen Tür und einer Hausmesse.

DAS PROGRAMM (Änderungen vorbehalten):

Tag der offenen Tür 06.04.2019
Programm der Vorträge & Workshops

Raum 1

11.15 Uhr Meditation im Alltag, geht das? Bernhard Dübe Anschließend Meditative Einführung

13.00 Uhr Seil(e)tanz der Gefühle Antje Keller 14.15 Uhr Der Sinn unseres Lebens Irmgard Mayer Anschließend Meditative Einführung

Raum 2

11.15 Uhr Systemische Aufstellung in Kurz-Sequenzen Monika Huisgen, Life- und Job-Coach

12.00 Uhr Lernen Sie die positiven Effekte von Coaching kennen Michaela Klein, Systemischer Coach

13.15 Uhr Ein neuer Blick auf das Wir – Wie stärke ich unsere Paarbeziehung Antonia Torras, Gestalttherapeutin, Systemischer Coach

13.50 Uhr Selbsthilfe und Schutz für Angehörige psychisch Kranker Kai Kreutzfeldt, Heilpraktiker Psychotherapie

15.00 Uhr Hindernisse in Chancen verwandeln – mit Achtsamkeit Dieter Weiser, Heilpraktiker Psychotherapie

Änderungen vorbehalten

Raum 4

11.15 Uhr – 13.15 Uhr Shiatsu Kurzbehandlungen 14.15 Uhr – 16.00 Uhr Shiatsu Kurzbehandlungen Margit Dela, Körpertherapeutin

Gruppenraum

Infostände

12.30 Uhr Homöopathische Mittel und Ihre Wirkung Magdalena Schneider, Heilpraktikerin

14.00 Uhr Coaching versus Beratung Jutta Wielpütz, Coach

Buchtipp: Neben der Spur – Christiane Wirtz

Beim abendlichen Zappen blieb ich beim SWR hängen, denn das Gespräch in der Talkshow „Nachtcafé“ interessierte mich. Eine blonde, selbstbewusst wirkende Frau sprach über ihre schizophrenen Psychosen. Erzählte Episoden ihrer Geschichte, als sie psychotisch war. Manchmal muss sie über sich selber lachen und man lacht gerne – und erleichtert – mit.

Aha, man darf also lachen über die verrückten Geschichten der anderen? Psychotische Episoden in der Schizophrenie sind leider so abstrus, dass man die Betroffenen entweder gerne als bekloppt oder fantasiereich abstempelt. Über die Geschichten, die sie erzählen, muss man oft lachen. Wenn man nicht genau weiß, was ein Wahn wirklich bedeutet und welches Leid dahinter steht.

Die Journalistin Christiane Wirtz spricht offen über ihre Schizophrenie. So offen, dass sie ein Buch darüber veröffentlicht hat: „Ich möchte jetzt das Thema journalistisch und unter Beteiligung einiger Leidtragender und Beobachter anpacken. Ich habe mich dazu entschlossen, aber noch ein wenig Angst. Was wird diese Veröffentlichung für meinen weiteren beruflichen Weg bedeuten? Was, wenn ich wieder meinen Job verliere, was, wenn Personaler mich, wenn ich mich künftig bewerbe, aussondern? Was, was, was…?“

Mit ihrem Buch „Neben der Spur“ beweist Christiane Wirtz Mut. Mut, ihre Geschichte zu erzählen, wissend, dass sie auf Unverständnis stoßen kann.

Und Mut, sich für all die psychisch Kranken einzusetzen: „Psychisch Kranke sind nicht der Bodensatz der Gesellschaft, den man aussondern darf.“

Sie schreibt: „Ich hab schmerzlich feststellen müssen, dass eine große Sprachlosigkeit und Scham herrscht, wenn es um Psychosen geht. Viele Menschen haben eine Heidenangst davor. Es ist ein riesiger Unterschied, wie andere mit mir umgehen, je nachdem, ob sie von meiner Erkrankung wissen oder nicht. Dabei sind recht viele von Psychosen direkt oder indirekt betroffen, allein unter Schizophrenie leidet ein Prozent der Bevölkerung weltweit. Besoders kränkend ist es für mich, wenn ich gegen Mauern anrenne; wenn Menschen mich auflaufen lassen, das Gespräch mit mir verweigern – macht ja nichts, ist ja nur so ´ne Bekloppte.“

NEBEN DER SPUR von Christiane Wirtz ist meine Buchempfehlung für diesen Monat. Mit ihrem direkten, unverfänglichen Erzählstil nimmt sie den Leser mit in ihre Welt. Offenbart sich. Schont sich nicht. Sagt klipp und klar, wie die Dinge sind. Danke dafür, Christiane Wirtz!