„Freiheit für Perez“

Im Jahr 2018 stieß ich bei YouTube auf ein Video über den Fall Michael Perez. Zehn Jahre zuvor wurde der damals 26jährige Mann von einem Richter zu einem geschlossenen Klinikaufenthalt verurteilt, weil er während eines Streits mit seinem Vermieter die Kontrolle verlor und diesem ein blaues Auge schlug.

Das ist zugegeben keine Lösung. Aber erst recht kein Argument dafür, dass ein Gutachter ihn als gemein- und fremdgefährlich einstuft und daher für die geschlossene Psychiatrie plädiert.

Die Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie an der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach wird dann Michaels Gefängnis. Die Klinik gleicht von außen einer Strafanstalt und drinnen wird Michael eher wie ein Strafgefangener, denn als ein Patient behandelt. Diese grausame, foltergleiche Behandlung hinterlässt ihre Spuren bei Michael.

Michael Perez 2018 (li) und 2006 (re)
Quelle: SWR

Da er merkt, dass ihm die verabreichten Medikamente nicht guttun, möchte er sie nicht mehr einnehmen. Daraufhin wird er in Isolierungshaft gesperrt. Er verbleibt die nächsten 10 Jahre allein in einem Raum ohne Fernsehen, Radio, Bücher etc. Manchmal wird ihm eine Stunde Hofgang mit Hand- und Fußfesseln gewährt. Ab und an darf er Besuch empfangen. Mir kommen bei solch einer Beschreibung Bilder von fiktiven Personen wie Hannibal Lecter aus dem Film „Das Schweigen der Lämmer“ in den Sinn.

Wir erinnern uns: Michael schlug seinem Vermieter ein blaues Auge! Wie oft geschieht das an jedem Wochenende in zig deutschen Kneipen und auf dem Kirmesplatz?

Seine jüngste Schwester Bianka kann und will diese Situation nicht hinnehmen. Sie entscheidet sich, für die Freilassung ihres Bruders zu kämpfen. Bald schon merkt sie, dass dieser Kampf ihr Einiges abverlangt: Behörden, die sich stur stellen und Menschen pauschal nach Paragraphen abfertigen; Nachbarn, die Michael gerne lebenslänglich weggesperrt wissen wollen, zerstörte Hoffnungen, tiefe Enttäuschungen.

Bianka Perez
Quelle: xing.com

Sie gerät an ihre Grenzen und überwindet sich selbst unzählige Male. Gibt nicht auf. Sucht nach Wegen und Personen, die ihr in diesem Kampf gegen menschenunwürdige Ungerechtigkeit helfen können.

Und sie findet sowohl Wege als auch Personen. Der Verleger Olaf Junge vom underDog-Verlag lädt sie ein, ein Buch zu schreiben. Das hat sie auch getan. In ihrem Werk „Die schwarze Liste“ erzählt sie die ganze Geschichte. Offen und ehrlich. Veröffentlicht Biografisches, Gutachten, Korrespondenzen und Auszüge der Patientenakte. Dabei ist sie stets bedacht, den Verantwortlichen nicht zu schaden, sondern sich für die Freilassung ihres Bruders einzusetzen.

Foto: Kai Kreutzfeldt

Biankas Kampf dauert zehn Jahre. Ein paar Dokumentarfilme wurden vom SWR gedreht und veröffentlicht. Authentische Bekanntmachung ist wichtig. Der Kampf hat sich gelohnt, denn seit letztem Jahr ist Michael wieder frei. Und diese Befreiung fühlt sich eher wie eine Entlassung aus dem zu Unrecht abgesessenen Strafvollzug an, als das Ende eines Klinikaufenthalts.

Das Erste, was Michael draußen wollte, war ein Döner.

Mich beeindruckt zutiefst der Mut von Bianka, sich den Autoritäten zu stellen, nicht aufzugeben und jedes Risiko auf sich zu nehmen, um ihren Bruder zu befreien! Heute beglückwünsche ich sie zu ihrem Mut, ihrem Durchhaltevermögen und ihrem festen Glauben an die Gerechtigkeit!

Papa hat sich erschossen

Foto: Patrick Ohligschläger

Das war 2008. Da nahm sich der Vater von Saskia Jungnikl das Leben. Erfahren hat sie dies von ihrer Mutter, die ihr am Telefon sagte: „Papa hat sich erschossen.“

Nur vier Worte, die so nüchtern klingen und doch die Kraft hatten, Saskias Leben in „Vorher“ und „Nachher“ zu teilen. Vier Worte, die eine Welt zusammenstürzen ließen und die mehr Fragen aufwarfen, als Klarheit zu schaffen. Vier Worte, die zum ständigen Begleiter wurden derer, die zurückblieben.

http://www.spiegel.de/video/orf-papa-hat-sich-erschossen-video-99011507.html

Suizid ist im Leben unzähliger Menschen ein aktuelles Thema. Und trotzdem ist es noch tabu, darüber zu sprechen. Dabei ist gerade das offene Reden über Suizid die Möglichkeit für suizidale Menschen, sich endlich mal öffnen und anvertrauen zu können. Die Offenheit, über Selbstmordgedanken zu sprechen, kann so viele Leben retten.

Saskia Jungnikl dokumentiert den Selbstmord ihres Vaters und ihren Umgang mit dieser Tatsache auf eine bewundernswerte Weise, die genauso sachlich wie gefühlvoll ist. Man hört in jedem Satz, dass sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat und versucht, zu verstehen. Ohne jemals zu urteilen.

“ Eine Woche vor seinem Tod habe ich meinen Vater das letzte Mal lebend gesehen. Ich war das Wochenende über zu Hause, und kurz bevor ich fahre, renne ich ihm an der Küchentür in die Arme. Er hält mich fest und sagt, dass er mich liebt. Und er fragt, ob ich ihn in guter Erinnerung haben werde, wenn ich alt bin. Mein Vater neigt manchmal zum Pathetischen, also lache ich und umarme ihn fest. Ich sage ihm, dass ich ihn auch liebe. Er hat sich von mir verabschiedet. Es ist schaurig, dass er wusste, dass wir uns nie wieder sehen, ich aber nicht.“ – derstandard.at/1363705757847/Papa-hat-sich-erschossen

VORSICHT! MOMO IST WIEDER DA!!!

Es wird per Whatsapp ein Kettenbrief von MOMO rumgeschickt.
Der Hintergrund ist für mich erschreckend krank, denn diese besagte MOMO fordert Kinder auf, schreckliche Dinge zu tun. Das Schlimmste sind die Aufforderungen, andere oder sich selbst zu verletzen bzw. zu töten.

In Brasilien hat ein 4jähriger (!!!) Junge im letzten Jahr auf MOMOs Aufforderung hin einen Selbstmordversuch unternommen. Denn MOMO sagt und zeigt, wie man es am besten macht. (siehe Bild oben)

ES GEHT UM KINDER!!!

Betrügerbanden, Heiratsschwindler…alle schlimm und kriminell. Aber das Motiv ist klar: Geld!

Aber was steckt hinter MOMO?
Kontrollzwang? Extremer Narzissmus?

Egal, was. MOMO ist mehr als kriminell.

MOMO ist menschenverachtend und höchst toxisch!

MOMO agiert weltweit und schickt sprachlich dilettantische Nachrichten.

Die Nummern von MOMO sind:

+573135292569
+81345102539
+5226681734379

Bitte niemals annehmen oder darauf reagieren!!!

MOMO missbraucht die Kunstfigur „Vogelfrau“ der japanischen Kultur.

So klärte die Berliner Zeitung am 26.09.2018 auf:

„Momo“ ist eigentlich Kunst

Was hinter der gruseligen Frau auf dem Profilbild steckt kann aber zum Glück einfach erklärt werden. Es ist eine Skulptur, die schon vor zwei Jahren in einer japanischen Galerie ausgestellt wurde. Die Vanilla-Galerie in Tokio ist bekannt für ihre ungewöhnlichen Ausstellungsstücke.
Die Skulptur stellt übrigens eine Figur aus dem japanischen Volksglauben dar, einen sogenannten Yōkai. Das sind dämonenähnliche Fabelwesen, die den Menschen meist moralische Lehren erteilen sollen. Der Yōkai auf dem die „Momo“-Skulptur beruht wird Ubume genannt, wobei der Name zwei verschiedene Yōkai beschreibt.

Einmal den Geist einer Frau, die kurz vor, während oder nach der Geburt ihres Kindes gestorben ist und in dunklen regnerischen Nächten erscheint, um nach Hilfe zu rufen. Sowie einen bösartigen Vogel, der nachts Kinder entführt. „Momo“ scheint also eine Kombination aus beiden Ubume-Variationen darzustellen. Im Original hat die Skulptur auch noch kräftige Vogelfüße.Die Skulptur stellt übrigens eine Figur aus dem japanischen Volksglauben dar, einen sogenannten Yōkai. Das sind dämonenähnliche Fabelwesen, die den Menschen meist moralische Lehren erteilen sollen. Der Yōkai auf dem die „Momo“-Skulptur beruht wird Ubume genannt, wobei der Name zwei verschiedene Yōkai beschreibt.

Weitere wichtige Informationen gibt es hier: https://www.merkur.de/multimedia/momo-muenchner-polizei-warnt-erneut-vor-momo-challenge-sollten-sie-beachten-zr-10059888.html

Lieber Papageno als Werther!

Goethe und Mozart waren Genies. Ein jeder auf seine Art und Weise. Ich bewundere beide – aber bei einem Punkt ist mir Mozart lieber.

In Mozarts „Zauberflöte“ gibt es den Vogelhändler Papageno, der sich umbringen will, weil er seine geliebte Papagena als verloren glaubt. Zum Glück schaffen es drei Knaben, ihn von diesem Vorhaben abzubringen.

In der Psychologie haben wir heute den Werther-Effekt (nach Goethes Werk „Die Leiden des jungen Werthers“ im Romantismus) und den Papageno-Effekt (nach Mozarts Zauberflöte).

Leider ist der Werther-Effekt viel bekannter. In Goethes Werk nahm sich der junge Werther das Leben, weil er nicht mit seiner Geliebten zusammenkam. Der Selbstnord aus frustrierter Liebe wurde damals als „romantisches Highlight“ angesehen und reihenweise brachten sich junge Männer um. Sie wollten damit nur ihre Liebe beweisen.

Schlimm ist der Werther-Effekt heute noch, wenn jemand sich durch den Freitod eines Promis darin bestätigt fühlt, dasselbe zu tun.

Unbekannter ist der Papageno-Effekt. Also, die Verhinderung eines Selbstmordes, weil Außenstehende den Betroffenen vor dieser Untat bewahren und ihm die Schönheiten des Lebens aufzeigen können.

Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, hat sein Überleben des Konzentrationslagers in einem Buch niedergeschrieben. Mit dem Titel Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.

Das gilt auch für die Prävention des Selbstmordes. Wer den höheren Sinn des Lebens erkennt, wird sich nicht leichtfertig das Leben nehmen. Und damit spiele ich kein Leid nieder.

Im Gegenteil, ich nehme persönliches Leid sehr ernst. Manches Leid meiner Klienten kann ich nachvollziehen und verstehen. Manch anderes kann ich mir nur vorstellen. In beiden Fällen urteile ich nicht. Ich bin immer bestrebt, das Leben zu erhalten und es lebenswert zu machen.

Darum bin ich überzeugt, dass Selbstmord (Suizid, Freitod etc.) keine (Er)Lösung ist.

Warum ich das so sehe, erkläre ich in meinem Vortrag am 31.03.2019 in Amsterdam.

Weitere Informationen sind dem Foto zu entnehmen oder können an mich per Mail kazaa71@web.de bzw. per Whatsapp +491784113484 gerichtet werden.

OB8 – Noten gegen Missbrauch

Am 30.03.2019 veranstaltet Tour41 e.V. in der Sülztalhalle Kürten einen Benefizabend mit Live-Programm für eine Kultur des Hinsehens & Hinhörens.

Offiziellen Statistiken zufolge werden in Deutschland jeden Tag 41 Fälle des sexuellen Missbrauchs an Kindern gemeldet. Das sind im Jahr 14.965 schreckliche Verbrechen, deren Dunkelziffer sicher noch um ein Einiges höher ist. Eine Anzeigepflicht von sexuellem Missbrauch an Kindern besteht in Deutschland nicht.

Und es gibt Verjährungsfristen dieser Straftaten hierzulande. Und genau für die Abschaffung dieser Fristen kämpft Tour41 e.V.

Diese wichtige Arbeit kann jeder gerne unterstützen. Auch durch den Besuch des unten angekündigten Benefizabends!

Veranstaltung: OB8 – Noten gegen Missbrauch

Datum: 30.03.2019

Ort: Sülztalhalle Kürten, Olpener Straße 1, 51515 Kürten

Ticketpreis 15,-€

10 Jahre Unisana – Tag der offenen Tür

Die Gemeinschaftspraxis Unisana in Köln bietet seit 10 Jahren ein breites Spektrum verschiedener Therapieangebote an. Ich selbst bin seit fast 8 Jahren mit dabei und schätze es sehr, wie die Inhaber Ulrike und Harald Deutsch das Praxiszentrum leiten.

Am 06.04.19 feiern wir das 10-jährige Jubiläum von Unisana mit einem Tag der offenen Tür und einer Hausmesse.

DAS PROGRAMM (Änderungen vorbehalten):

Tag der offenen Tür 06.04.2019
Programm der Vorträge & Workshops

Raum 1

11.15 Uhr Meditation im Alltag, geht das? Bernhard Dübe Anschließend Meditative Einführung

13.00 Uhr Seil(e)tanz der Gefühle Antje Keller 14.15 Uhr Der Sinn unseres Lebens Irmgard Mayer Anschließend Meditative Einführung

Raum 2

11.15 Uhr Systemische Aufstellung in Kurz-Sequenzen Monika Huisgen, Life- und Job-Coach

12.00 Uhr Lernen Sie die positiven Effekte von Coaching kennen Michaela Klein, Systemischer Coach

13.15 Uhr Ein neuer Blick auf das Wir – Wie stärke ich unsere Paarbeziehung Antonia Torras, Gestalttherapeutin, Systemischer Coach

13.50 Uhr Selbsthilfe und Schutz für Angehörige psychisch Kranker Kai Kreutzfeldt, Heilpraktiker Psychotherapie

15.00 Uhr Hindernisse in Chancen verwandeln – mit Achtsamkeit Dieter Weiser, Heilpraktiker Psychotherapie

Änderungen vorbehalten

Raum 4

11.15 Uhr – 13.15 Uhr Shiatsu Kurzbehandlungen 14.15 Uhr – 16.00 Uhr Shiatsu Kurzbehandlungen Margit Dela, Körpertherapeutin

Gruppenraum

Infostände

12.30 Uhr Homöopathische Mittel und Ihre Wirkung Magdalena Schneider, Heilpraktikerin

14.00 Uhr Coaching versus Beratung Jutta Wielpütz, Coach

Buchtipp: Neben der Spur – Christiane Wirtz

Beim abendlichen Zappen blieb ich beim SWR hängen, denn das Gespräch in der Talkshow „Nachtcafé“ interessierte mich. Eine blonde, selbstbewusst wirkende Frau sprach über ihre schizophrenen Psychosen. Erzählte Episoden ihrer Geschichte, als sie psychotisch war. Manchmal muss sie über sich selber lachen und man lacht gerne – und erleichtert – mit.

Aha, man darf also lachen über die verrückten Geschichten der anderen? Psychotische Episoden in der Schizophrenie sind leider so abstrus, dass man die Betroffenen entweder gerne als bekloppt oder fantasiereich abstempelt. Über die Geschichten, die sie erzählen, muss man oft lachen. Wenn man nicht genau weiß, was ein Wahn wirklich bedeutet und welches Leid dahinter steht.

Die Journalistin Christiane Wirtz spricht offen über ihre Schizophrenie. So offen, dass sie ein Buch darüber veröffentlicht hat: „Ich möchte jetzt das Thema journalistisch und unter Beteiligung einiger Leidtragender und Beobachter anpacken. Ich habe mich dazu entschlossen, aber noch ein wenig Angst. Was wird diese Veröffentlichung für meinen weiteren beruflichen Weg bedeuten? Was, wenn ich wieder meinen Job verliere, was, wenn Personaler mich, wenn ich mich künftig bewerbe, aussondern? Was, was, was…?“

Mit ihrem Buch „Neben der Spur“ beweist Christiane Wirtz Mut. Mut, ihre Geschichte zu erzählen, wissend, dass sie auf Unverständnis stoßen kann.

Und Mut, sich für all die psychisch Kranken einzusetzen: „Psychisch Kranke sind nicht der Bodensatz der Gesellschaft, den man aussondern darf.“

Sie schreibt: „Ich hab schmerzlich feststellen müssen, dass eine große Sprachlosigkeit und Scham herrscht, wenn es um Psychosen geht. Viele Menschen haben eine Heidenangst davor. Es ist ein riesiger Unterschied, wie andere mit mir umgehen, je nachdem, ob sie von meiner Erkrankung wissen oder nicht. Dabei sind recht viele von Psychosen direkt oder indirekt betroffen, allein unter Schizophrenie leidet ein Prozent der Bevölkerung weltweit. Besoders kränkend ist es für mich, wenn ich gegen Mauern anrenne; wenn Menschen mich auflaufen lassen, das Gespräch mit mir verweigern – macht ja nichts, ist ja nur so ´ne Bekloppte.“

NEBEN DER SPUR von Christiane Wirtz ist meine Buchempfehlung für diesen Monat. Mit ihrem direkten, unverfänglichen Erzählstil nimmt sie den Leser mit in ihre Welt. Offenbart sich. Schont sich nicht. Sagt klipp und klar, wie die Dinge sind. Danke dafür, Christiane Wirtz!