Grenzenlos – 2. Borderlinetag 2019 und Wissenschaftliche Vortagung mit Prof. Dr. Otto F. Kernberg

Die Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) wird zwar schon lange erforscht und es wurden schon unzähige Bücher über das Thema geschrieben sowie viele sehr gute Therapieformen entwickelt, die bei der Behandlung von Borderline zu sehr guten Ergebnissen führen.

Und trotzdem ist die Forschung längst noch nicht am Ende. Und immer noch haben Betroffene, Angehörige und Fachleute etliche Fragen. Ein trialogischer Austausch ist daher unerläßlich.

Die Eckhard Busch Stiftung organisiert im Rahmen der 5. KölnBonner Woche für Seelische Gesundheit am 12.10. den 2. Borderlinetag. Ein Informationstag, der interessante Vorträge und Workshops bietet. Außerdem hat man die Gelegenheit, sich in ungezwungener Atmosphäre von Ärzten und Therapeuten beraten zu lassen.

Die Teilnahme am 2. Borderlinetag (12.10.19) ist kostenlos und bedarf keiner Anmeldung.

Weitere Informationen sowie das Programm findet man unter dem Link: https://www.eckhard-busch-stiftung.de/projekte/borderline-tag/borderline-tag-2019/

Wissenschaftliche Vortagung zum Borderline-Tag mit Otto Kernberg

Prof. Dr. Otto Kernberg, der weltweit renommierteste Forscher der Borderline-Persönlichkeit, bereitgefunden, im Rahmen dieser Vortagung beispielhaft sein Vorgehen in der strukturellen Diagnostik einer Jugendlichen zu demonstrieren und zu kommentieren, außerdem die Prinzipien in der Behandlung narzisstischer Persönlichkeiten vorzustellen.

Die Veranstaltung wird über die Psychotherapeutenkammer Nordrhein zertifiziert.

Kosten der Vortagung: Die Teilnahmegebühr beträgt 150.- Euro.
Mitarbeiter der Uniklinik Köln, Ausbildungskandidaten und Praktikanten zahlen 100.- Euro.

#ichbingenug

Anita war ein liebes und fürsorgliches Mädchen, das stets auf der Suche nach ihrer Daseinsberechtigung war. Denn sie hatte immer das Gefühl, nicht dazuzugehören.

Nach 17 Ehejahren verliebt sich Anita unsterblich in die Liebe ihres Lebens. Damit ist ihre Suche nach sich selbst beendet…oder doch nicht? Denn ihr süßer Traum wird zu einem Albtraum.

Soweit der Klappentext von Anita Wix´ Autobiografie #jehebtaltijdeenkeuze# (#duhastimmereinewahl#), erschienen bei Droomvallei Uitgeverij.

Anita wurde aufgrund ihres Lebensmodells zum „Opfer“ eines Narzissten (im Buch nennt sie ihn Sem, um seine Identität nicht zu gefährden), mit dem sie elf Jahre lang verheiratet war. Was sie durchlebte, was ihre und seine Kinder durchlebten (Anita und Sem brachten jeweils 3 Kinder aus erster Ehe mit in die neue Familie) und wie sie es doch schaffte, sich zu befreien, erzählt sie offen in ihrem Buch.

Foto: Kai Kreutzfeldt

Es ist eines der Bücher, das man nur schwer beiseite legen kann. Es liest sich so, als ob Anita direkt zu einem sprechen würde. Man will wissen, wie es weitergeht, um zu verstehen, wie solch ein Familiendrama entstehen kann.

Gleichzeitig erklärt Anita an ihrem Beispiel auch, wie der Manipulationsprozess von Narzissten funktioniert. Und was die Partner erlebt haben müssen, um sich auf diese Manipulation einzulassen.

Viele Partner von Narzissten stoßen auf Unverständnis in ihrem Umfeld, wenn sich dieses der Brutalitäten gewahr wird.

„Warum trennst du dich nicht einfach?“ ist die häufigst gestellte Frage. Naja, weil „einfach“ nicht so einfach ist.

Das Buch von Anita Wix ist keine Anklage, sondern eine Stimme für die Opfer von häuslicher Gewalt, für Partner von Narzissten. Sie klärt am Beispiel ihres Lebens auf, wie so ein Täter-Opfer-Mechanismus entstehen kann (denn es gehören immer zwei Seiten dazu) und zeigt auf, wie man sich aus dieser Maschinerie befreien kann.

Anitas Buch hat mich mehr als begeistert und ich wollte in einem Interview mehr von ihr erfahren. Darum habe ich sie in Arnheim getroffen.

Anita Wix und Kai Kreutzfeldt (Selfie)

Man muss Wert auf eine ehrliche Erzählung setzen

KK: In deinem Buch #jehebtaltijdeenkeuze# (#duhastimmereinewahl#) erzählst du deine Geschichte – eine 11-jährige Ehe mit einem Narzissten – auf eine sehr persönliche Weise. Was hat dir das Schreiben bedeutet?

AW: Wenn du deine Geschichte aufschreibst, denkst du nochmal gut über alles nach, was passiert ist. Auch hilft dir der Schreibprozess dabei, selbst mehr Einsicht zu erlangen. Es war für mich also eine Art der Verarbeitung von allen Dingen, die mir im Kopf herumspukten. Als ich die aufs Papier setzte, wurde mir vieles deutlich. Während des Schreibens wurde mir bewusst, was schon am Anfang der Beziehung nicht stimmte.

KK: Woher hast du den Mut genommen, auch über die intimen Aspekte von Nähe und Gewalt zu schreiben?

AW: Wenn man eine Einsicht in sein Leben geben will und auch darin, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass man eine Beziehung mit jemandem eingegangen ist, der Liebe als Machtmittel gebraucht, dann muss man Wert auf eine ehrliche Erzählung setzen. Man muss zeigen, wo man selbst die Grenzen überschritten hat.

Ansonsten wäre es nur eine Schuldzuweisung an den anderen für das, was er einem angetan hat. Man muss den Leser wissen lassen, was der eigene Anteil in der Geschichte ist.

Und wenn ich da nicht ehrlich bin, dann ist es keine Lebensgeschichte. Und glaub mir, es gab noch schlimmere Dinge, die aber nicht im Buch stehen.

Ich habe ganz bewusst ausgesucht, worüber ich schreibe, denn meine Kinder würden mein Buch ja auch lesen. Sie wussten bis dato nichts vom Doppelleben ihrer Mutter von vor 20 Jahren. Aber jetzt wissen sie Bescheid.

Und es gibt niemanden, der mir sagte: „Wie schrecklich, was du damlas getan hast“. Ganz im Gegenteil, ich habe Wertschätzung erfahren, weil ich mein Leben heute im Griff habe.

KK: Wie war die Reaktion deiner Kinder auf das Buch?

AW: Während der Zeit meiner schlechten Beziehung habe ich meine älteste Tochter sechs Jahre lang nicht gesehen. Erst wieder, als ich im Frauenhaus war. Ich habe also sechs Jahre von ihrem Leben verpasst. Vom Leben meines Mädchens zwischen 16 und 21 Jahren…

Doch nachdem sie meine Geschichte gelesen hat, ist unsere Beziehung besser denn je. Ich habe meinen Kindern zwar viel erzählt, aber das Buch ist vollständiger. Ich habe es aus dem Herzen geschrieben und mit denselben Gefühlen, wie ich sie damals hatte.

Heute sagen meine Kinder, dass sie froh wegen meines Buches sind, denn jetzt verstehen sie alles. Sie verstehen also, wie die Situation für mich damals war. Sie dachten ja immer, dass ich soooo verliebt in diesen Mann gewesen war. Doch nun haben sie gelesen, wie es wirklich war. Es ist ihnen klar, dass ich mir darüber bewusst war, was ich damals tat und dass das nicht gut war.

Für uns als Familie war das Buch das Schönste, was ich tun konnte. Es hätte nicht besser sein können.

Wenn ich nicht so offen geschrieben hätte, wäre das Bild nicht komplett

KK: Deine Kinder wussten damals nicht, was los war?

AW: Nun, Kinder haben eine andere Sichtweise von einer Situation. Aber, wenn du ein Buch schreibst und darin mit deiner Geburt beginnst, dann sehen sie, wie es zu alldem kommen konnte. Dass ich so eine Frau geworden bin, die nur damit beschäftigt war, den Partner glücklich zu machen.

Der Prozess, der mich letztendlich dahin geführt hat, wo ich hin musste, ist im Buch deutlich geworden. Und das habe ich ihnen so nie erzählen können. Immerhin hat das Buch etwa 400 Seiten.

Wenn du nur darüber sprichst, dann gehst du wahrscheinlich nicht so in die Tiefe. Und was sagst du deinen Kindern, wenn du dich verletzlich machst?

Und dann schreibst du Dinge über dich auf, von denen du denkst, dass sie eigentlich nicht so offen auf dem Tisch liegen sollten. Wenn ich das nicht getan hätte, dann wäre das Bild nicht komplett. Und wenn ich mich nicht schone, dann bin ich auch ehrlich mir selbst gegenüber; nach dem Motto „sieh, was du getan hast!“.

Für meine Kinder ist dieses Buch das größte Geschenk.

KK: Was bedeutet dir das Buch heute?

AW: Es ist eine Befreiung, denn ich kann endlich mal mein Leben erzählen und muss nicht immer denken, dass ich Dinge getan habe, für die ich mich schämen muss.

Was ich getan habe, tat ich, weil ich damals dachte, dass es ok so wäre und dass man sich für Dinge aus der Vergangenheit nicht schämen müsste. Ich tat damals, was ich tun musste und ich habe heute daraus gelernt.

Das Buch hat auch dafür gesorgt, dass ich von meinen durch die Krankheit (Narzissmus) verursachten Schuldgefühlen loskam. Punkt, aus.

Das ist Vergangenheit, das ist nicht die Gegenwart. Es ist vorbei! Und das war die Erleichterung.

Du wirst ein Opfer von Narzissten, wenn du nur damit beschäftigt bist, den anderen glücklich zu machen

KK: Viele Menschen sind Opfer von Narzissten. Was sind deiner Meinung nach die Funktionsmodelle, warum Menschen zu solchen Opfern werden?

AW: Du wirst ein Opfer, wenn du jemand bist, der keine Grenzen setzen kann. Der nichts festlegt und nicht genug tut, um sich wertzuschätzen. Wenn du nur damit beschäftigt bist, den anderen glücklich zu machen und das dann dein ganzes Leben ausmacht.

Wenn du mit dir selbst zufrieden bist und jemand – in diesem Fall ein Narzisst – so mit dir umgeht, dann wirst du dich nicht darauf einlassen. Weil du so eine Behandlung nicht nötig hast, um dich glücklich zu fühlen.

Ich denke, dass Frauen und Männer, die narzisstische Partner anziehen, einerseits ihre Bedürftigkeit ausstrahlen; andererseits, dass sie selbst weder stark noch glücklich sind, denn sie setzen keinerlei Grenzen.

Man lässt sich gehen und gerät in den Bann des Narzissten. So ist der Lauf der Dinge. Im Prinzip kann es jedem passieren.

Das hat nichts mit Bildung oder sozialem Hintergrund zu tun. Es hängt vielmehr davon ab, wie du selbst im Leben stehst. Egal, ob du nun ein Richter bist oder jemand, der in der Fabrik arbeitet oder irgendwo dazwischen – es kann jedem passieren.

Das ist sehr wichtig hervorzuheben, denn viele denken immer noch, dass man einem bestimmten Typus angehören muss, um sich einer narzisstischen Beziehung zu unterwerfen.

KK: Kannst du dich an das erste Erlebnis mit Sem erinnern, bei dem du dachtest: „Das ist nicht normal. Ich erlebe ein Dilemma!“?

AW: Ja, daran kann ich mich gut erinnern. Der allererste Moment, als ich dachte, dass da wirklich etwas nicht stimmte, war, als mein Ex-Mann damals seinen Sohn, der noch ein Baby war, fütterte. Das Kind war ungefähr drei Monate alt und er fütterte es mit Karottenbrei.

Das Kind kreischte vor Freude und spuckte daher einen ganzen Löffel Karottenbrei im hohen Bogen auf Sems weißes Hemd.

Sem rastete total aus, schrie herum und beschimpfte das Baby als Idiot und Schlimmeres. Ich stand wie angewurzelt da und dachte: „Das ist doch nicht normal!“

Ein Baby für alles und noch viel mehr auszuschimpfen. Ich musste echt dagegen halten, damit er dem Kind nichts antat.

Ich finde, wenn so etwas passiert, zieht man sein Hemd aus, steckt es in die Wäsche und zieht sich ein frisches an. Das ist normal.

Aber ein Baby auszuschimpfen und böse zu werden, ich meine wirklich böse…

Damals dachte ich nur: „Du bist doch echt gestört!“

Es war so deutlich und trotzdem hoffte ich noch, dass es nur ein einmaliger Vorfall war. Aber bei so einem Verhalten, da muss man echt auf der Hut sein. Das Betragen ist nicht normal und es wird sich auch nie ändern.

Es ist kein einmaliger Vorfall.

Nein, das ist es nicht. Das ist so heftig und so extrem, wenn man ein Baby ausschimpft, mit den Füßen stampft und böse wird. Auf ein Baby, das doch nur tut, was Babys tun.

In solchen Situationen muss man schnell weggehen.

Du bleibst, um ihn glücklich zu machen

KK: Wie konntest du es rechtfertigen, bei Sem zu bleiben?

AW: Weil es typisch für alle Narzissten in einer Beziehung ist, dass sie dich glauben machen, alles sei deine Schuld. Wenn etwas schiefgeht, dann nur, weil du es nicht richtig gemacht hast. Und jedesmal denkst du: „Wenn ich mein Bestes gebe, dann beschwert er/sie sich nicht über mich“. Und deswegen bleibst du.

Aber wenn du schon am Anfang der Beziehung davon überzeugt bist, dass der Fehler nicht von dir kommt, sondern von dem/der anderen, dann solltest du meines Erachtens nach viel früher aus der Beziehung aussteigen.

Wenn du die Anschuldigungen aber glaubst, dann fühlst du dich selber wahrscheinlich nicht so wohl in deiner Haut. Sonst würdest du das nicht mit dir machen lassen.

Ein Beispiel: Als er vom Fahrrad gefallen war und ich noch nicht einmal dabei gewesen war, habe ich trotzdem die Schuld zugewiesen bekommen, als er wieder zu Hause war. Und ich dachte so bei mir: „Alles klar, ich verstehe. Du machst es dir einfach.“

Aber, was hätte ich machen können? Ich war nicht dabei gewesen und trotzdem gab er mir die Schuld. Und ich sagte nur:“Sorry, ich entschuldige mich dafür!“

Und da rutscht man so rein, ganz langsam. Das kommt nicht von heute auf morgen. Jedesmal nimmt man mehr Schuld auf sich und denkt: „Wenn ich das nicht gesagt oder gemacht hätte, wäre das alles nicht passiert.“ Und irgendwann habe auch ich daran geglaubt.

Deswegen bin ich geblieben. Nämlich, um ihn glücklich zu machen.

KK: Um es besser zu machen?

AW: Klar, denn eigentlich dachte ich ja, dass ich mich um alles kümmern musste, damit er es nicht zu tun brauchte. Ich dachte: „Es ist meine Aufgabe, ihn zu versorgen, damit er glücklich wird“. Doch das ist mir nicht gelungen. Es wird niemandem jemals gelingen.

Ich riss alle meine Grenzen nieder. Und tat mehr und immer mehr, um den anderen froh zu machen. Schließlich drehte sich mein ganzes Leben nur darum.

Du weisst doch, dass du mir glauben kannst

KK: In deinem Buch erwähnst du oft, dass du deine Kinder nicht beschützen konntest. Hast du eine Erklärung dafür, warum das geschehen konnte? Wie kann es sein, dass eine Mutter wegen ihres Partners die Bedürfnisse der eigenen Kinder nicht mehr sehen kann?

AW: Lass es mich so sagen, dass bei uns zu Hause alles Mögliche geschah.

Er hat meinen Kindern Dinge angetan, aber mir auch.

Wenn ich misshandelt wurde, sagte ich meinen Kindern: „Sagt lieber nichts. Macht ihm keinen Druck. Bleibt ruhig, sonst wird es noch schlimmer.“

Und wenn er mir nichts tat , sondern den Kindern und ich die Kinder fragte, was denn geschehen sei, dann verharmlosten sie ihre Erzählungen und sagten, die blauen Flecken kämen daher, dass sie über einen Zaun geklettert oder mit dem Fahrrad gestürzt seien, nur um mir nicht die Wahrheit zu sagen.

Was ich dann mit meiner Familie tat, war, sie instand zu halten. Weil ich es nicht schlimmer machen wollte. Ich wusste oft wirklich nicht, was mit meinen Kindern geschehen war.

Bis zu dem Zeitpunkt, als meine Tochter krank wurde. Anorexie. Nun konnte niemand mehr sagen, dass es nur an mir läge. Zum ersten Mal kam alles an die Oberfläche und jeder konnte sehen, was wir durchmachten. Niemand konnte mehr sagen, dass es doch gar nicht so schlimm sei. Denn Anorexie ist eine schwerwiegende Krankheit.

Und trotzdem sagte Sem die ganze Zeit, dass da nichts war. Als wäre nichts geschehen und – ich glaubte ihm das blindlings. Er sagte, dass wir nichts damit zu tun hätten.

„Das ist niemals geschehen. Ich verstehe nicht, dass du deinen Kindern glaubst. Siehst du nicht, was sie vorhaben? Sie wollen uns auseinanderbringen. Du hörst dir ihre Geschichten an, obwohl du weisst, dass sie gelogen sind. Du weisst doch, dass du mir glauben kannst. Ich würde so etwas doch niemals tun.“

Das sagte er stets und das habe ich ihm dann geglaubt. Seine Worte waren wichtiger, als das, was die eigenen Kinder sagten.

KK: Und wurdest du nach dem Erscheinen deines Buches angegriffen bzw. kritisiert, was den Nichtschutz deiner Kinder angeht?

AW: Nein, nicht ein einziges Mal. Jeder sagte mir, dass ich alles so gut beschrieben habe und man es daher nachvollziehen kann, wie es abgelaufen ist.

Man kann mein Verhalten nicht schönreden, aber es ist auch nicht mehr rückgängig zu machen. Ich kann es nicht mehr ändern.

Letztendlich haben meine Kinder mir vergeben und wir haben nun wieder eine fantastische Beziehung miteinander.

Das Verlangen nach ihm sitzt überall

KK: Wenn du ein Opfer von einem Narzissten bist, ist es nicht so leicht, von ihm loszukommen. Was ist deiner Meinung nach der schwierigste Teil, sich von jemandem zu lösen, der einem nicht guttut?

AW: Es ist eine Abhängigkeit. Es ist eine Beziehungsabhängigkeit und man ist süchtig nach dem Schmerz. Das hört sich verrückt an, aber so ist es.

Wenn jemand Alkoholiker ist und man ihm sagt, er solle das Trinken doch lassen, dann wird er einem antworten, dass das nicht so leicht ist. Dafür müsste er in eine Entziehungskur, dafür bräuchte er Hilfe. Andere Menschen müssten ihm helfen, weil er abhängig sei.

Er wird high und dann lässt die Wirkung nach und er braucht Nachschub. Das Gleiche ist mit Drogen. Und mit einer toxischen Beziehung.

In einer toxischen Beziehung ist man auch abhängig. Vom Schmerz, so seltsam das auch klingt.

Als ich im Frauenhaus war und es keine Streitereien mehr gab, war ich todunglücklich. Ich dachte, dass ja gar nichts mehr passiert. Ich machte es weder falsch, noch machte ich es richtig. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Es wurde mir immer deutlicher, dass ich mich in einer Abhängigkeit befand.

Und ich vermisste sie, die Streitereien. Und den Schmerz, der dann dafür sorgt, dass ich mich später wieder gut fühle. Das ist es nämlich, was er mit dir macht.

Ich hatte Trauer und Schmerzen und Angst gehabt. Und das Verlangen nach Freude und glücklichen Momenten. Und der Mann, der mitunter so lieb war, band mich wie einen Junkie an die Beziehung und das machte es unmöglich, loszulassen.

Es ist scheinbar nicht so schwierig, Druck und Verlangen auszuhalten.

Aber versuch auf der anderen Seite mal, davon loszukommen! Das Verlangen sitzt überall. Es sitzt in deinen Fasern, in deinem Blut. Es wickelt dich hübsch ein und nimmt Besitz von deinem Körper.

In einer narzisstischen Beziehung verwechselt man Schmerz, Elend und Traurigkeit mit Liebe

KK: Im Frauenhaus warst du in Sicherheit. Aber Sem war immer in deinem Kopf, in deinen Gedanken. Wie hast du diese Momente erlebt?

AW: Ich war an einem Punkt, dass ich mit dem Gedanken daran erwachte, was ich nicht mehr hatte. Und das bedeutete natürlich das Ende meiner Welt, das Ende meines Lebens.

Ich war geflohen und hatte alles hinter mir gelassen: meine Kinder, meine Stiefkinder, meine Sachen, mein Haus, mein Auto. Ich hatte nichts mehr und saß da. Jeden Morgen erwachte ich mit dem Gedanken: „Ich will zu ihm zurück“.

Auf der rechten Schulter saß ein Engelchen und sagte: „Das darfst du nie wieder tun“. Auf der anderen Seite ein Teufelchen, das mir sagte: „Ja, geh zurück! Was ist dir denn geblieben? Nichts, aber auch gar nichts!“

Das ist so anstrengend. Und du sitzt da allein mit deinen Gedanken und weisst nicht, was du tun sollst.

Also musste ich mir selber sagen, wie ich mein neues Leben sah. Bloß nicht daran denken, woher ich kam und was ich zurückgelassen hatte. Ich dachte immerzu: „Ich kann nicht mehr ohne ihn leben. Ich weiss nicht, was ich machen soll.“

Zwei Jahre lang, auch ein Jahr nach dem Frauenhaus, dachte ich: „Ich geh zu ihm zurück!“

Denn, wenn er erstmal sieht, dass ich wieder eine starke Frau geworden bin – ich dachte nämlich, dass ich das nicht sei, dass ich ein Nichts war – dann gehe ich zu ihm zurück.

Und es hat ganze zwei Jahre gedauert bis ich mir endlich sagte: „Nein, zurück gehe ich niemals wieder!“

In einer narzisstischen Beziehung verwechselt man den Schmerz und das Elend und die Traurigkeit mit Liebe. Man denkt, dass das Liebe sei. Man kriegt gar nicht mehr mit, dass das nicht wahr ist.

Denn Liebe bedeutet für einen, erst geschlagen und dann getröstet zu werden. Und dann denkt man, dass man alles gut gemacht hat.

Das Geburtsrecht eines jeden Menschen ist es, glücklich zu sein

KK: Wie hast du es letztendlich geschafft, doch nicht zu Sem zurückzugehen? Woher hattest du die Kraft?

AW: Erst einmal dadurch, dass man mir das Telefon im Frauenhaus abgenommen hat. Und dass ich dafür sorgen sollte, dass er keinen Kontakt zu mir und ich keinen Kontakt zu ihm aufnehmen konnte. Denn Narzissten sind Meister der Redekunst und wenn sie dich erst wieder in ein Gespräch verwickelt haben, läufst du allerhöchste Gefahr zu sagen: „Ja, du hast Recht. Ich komme zurück.“

Darum versuchte ich, solange wie möglich, keinen Kontakt zu haben. Ich habe auch viel gelesen in dieser Zeit. Ich las über Narzissmus und langsam begriff ich, worum es ging. Jedesmal wenn ich dachte, dass ich zu ihm zurück wollte, sagte ich mir, dass ich dann niemals das Leben haben würde, das ich verdiene.

Das Geburtsrecht eines jeden Menschen ist es, glücklich zu sein. Glücklich würde ich bei ihm niemals sein. Denn weder kann ich ihn glücklich machen noch er sich selbst.

In meinen Gedanken stellte ich mir ein Haus vor, das ich bewohnen wollte. Und eine Arbeit. Das waren Dinge, die ich visualisieren und mir zurecht basteln konnte, sodass ich mein ganzes neues Leben vor mir sah. Und das half.

Sieh nach vorne auf das, was du willst und nicht zurück, wo du hergekommen bist

KK: Ist das eine Taktik, wie man dieser Hörigkeit entkommen kann?

AW: Ja, so ist es. Ich begleite viele Frauen, die gerade aus dem Frauenhaus kommen. Das Erste, was ich sie machen lasse, ist ein Visionsbild: sie sollen kleben, schneiden, malen, zeichnen. Und zwar alles, was sie in ihrer Vorstellung sehen und was sie sehen wollen.

Dann frage ich: „Wie fühlst du dich dabei? Wenn du dich gerade leer fühlst, wie soll die Zukunft sein? Was ist die Leidenschaft in deinem Leben?“ Denn die hat jeder von uns.

Die eine sagt dann: „Nun, ich kann gut tanzen.“ – „Dann tanze!“

Die andere sagt: „Ich male gerne.“ – „Mach das, male! Tu, was dir gefällt!“

Stelle jeden Morgen, bevor du irgendetwas anderes machst, deine Füße auf den Boden, zeige dich dankbar für den neuen Tag und sage laut, was du vor dir siehst: Ein schönes Leben und eine schöne Zukunft. Oder, wie du diesen Tag gestaltest. Wie planst du deinen Tag? Denk daran, was du wirklich willst und nicht daran, was du nicht willst.

Das hilft. Das hilft jedem. Aber du musst es auch tun!

Foto: KK

Niemand hat gesagt, dass es leicht sein würde

KK: Man muss es tun, das ist der Punkt.

AW: Ja, es funktioniert nur, wenn du es tust! Konsequent, jeden Tag. So schwer es auch erscheinen mag. Wenn du dich selbst gut fühlst, ist es natürlich nicht so schwer zu sagen: danke für diesen neuen Tag.

Aber wenn du dich schlecht fühlst und du den neuen Tag bestehen musst… das ist die Kunst.

Etwas zu fühlen, was nicht da ist. Darum geht es, aber auch das können wir. Sicherlich kostet das Mühe, aber niemand hat gesagt, dass es leicht sein würde.

Es ist Training und ich bin ein Beispiel dafür, dass es funktioniert. Ich sage jetzt nicht: „Wenn ich das kann, kannst du es auch“. Vielmehr will ich den Menschen zeigen, dass es zu schaffen ist.

Ich hatte auch Tage, an denen ich mir sagte: „Danke wofür? Ich habe nichts mehr! Ich habe kein Haus, ich habe noch nicht mal Teelöffel. Ich habe gar nichts. Wofür also soll ich dankbar sein?“

Trotzdem bin ich dankbar. Dafür, dass ich da bin und lebe und dass ich mich für das Leben entschieden habe. So lernt man immer mehr die Dankbarkeit. Dann bekommt man auch ein Haus. Und kann dafür dankbar sein. Dann kommen die Freunde und bringen Teelöffel und Decken, denn du hast ja nichts. Du hast gar nichts mehr. Und dann kommen ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl und jedesmal mehr, wofür man dankbar ist.

Ich wollte ihm mitteilen, dass ich mit ihm fertig war

KK: In deinem Buch ist ein langer Brief von dir an Sem abgedruckt. Darin schreibst du ihm, wie du alles erlebt hast und was du von ihm denkst. Warum hast du ihm noch so viel geschrieben?

AW: Ich war damals noch im Frauenhaus und hatte viel über Narzissmus gelesen. In dieser Zeit wurde es mir immer klarer, dass ich eigentlich gar nichts machen kann. Dass es sich um ein Muster handelt, das Männern und Frauen eigen ist, die wir Narzissten oder Psychopathen nennen oder ihnen sonstwie unseren Stempel aufdrücken.

Aber mehr und mehr verstand ich, was geschehen war und so wollte ich ihm auch gerne mitteilen, dass ich damit fertig war und wusste, dass nichts einfach „nur so“ geschehen war. Dass ich mir darüber im Klaren war, wie er ganz bewusst versucht hat, mich kaputt zu machen.

Das machen Narzissten. Damit nichts übrig bleibt.

Ich habe gelernt, dass Narzissten das mutwillig tun. Das ist hart zu schlucken. Denn da ich ja nicht so bin, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es einen Menschen gibt, der mir so etwas mutwillig antun würde. Das war und ist schwer zu begreifen. Denn ich wollte doch glücklich mit ihm zusammen leben, ich wollte es doch schön haben. Warum wollte mich jemand schlagen, mir Schaden und Schmerzen zufügen?

Als ich dann ein bisschen mehr Boden unter den Füßen spürte, viele Jahre später, und ich mehr verstanden hatte, war es mir ein Bedürfnis, diesen Brief zu schreiben. Und das habe ich auch gemacht. Es kam sogar eine E-Mail zurück, aber ich war im Frauenhaus und sie ließen sie mich nicht lesen. Die Mail wurde ausgedruckt und in mein Dossier geheftet, damit ich sie habe. Aber bis heute weiss ich nicht, was er darauf geantwortet hat. Ich habe diese Mail nie gelesen.

KK: Willst du es heute wissen, was er geantwortet hat?

AW: Nein. Jetzt nicht mehr. Ich wollte ihm nur schreiben, was ich noch zu sagen hatte. Und dass es mir nicht wichtig sei, wie er über alles dachte. Ich habe die Mail nie gelesen.

Viele Professionelle kennen häusliche Gewalt nur in der Theorie

KK: Du gibst Workshops und Lesungen. Du unterrichtest Polizisten und Sozialarbeiter im Bereich der häuslichen Gewalt. Sind diese Menschen nicht ausreichend geschult?

AW: Sie sind theoretisch geschult. Aber nicht praktisch. Sie kennen zwar die Theorien der häuslichen Gewalt, doch sind sie sich oft nicht der Emotionen bewusst, die dahinter stecken.

Ich beginne meine Lesungen stets mit der Hoffnung, dass sie nicht nur hören, sondern besser noch spüren, womit sie es zu tun haben. Wenn ich die Menschen in mein Leben mitnehme – und das tue ich – dann werden sie fühlen, wie es für jemanden ist, der ein Opfer häuslicher Gewalt ist. Ich selbst sehe mich zwar nicht als „Opfer“, aber lass uns mal diesen Begriff gebrauchen.

Vieles wird den Professionellen schnell klar, wenn sie wahrnehmen, wie sich ein Opfer in einer solchen Situation fühlt. Und auch, dass es um psychischen Terror geht.

Ein Beispiel:

Ich frage meinen narzisstischen Mann: „Darf ich bitte am Freitagabend mit meiner Freundin ausgehen?“

Und er antwortet: „Warum fragst du so? Natürlich kannst du!“

Ich denke dann: „Naja, aber sonst darf ich nicht.“

Und plötzlich ist Freitag und meine Freundin kommt, um mich abzuholen. Da sagt er plötzlich: „Wohin gehst du?“

Ich: „Ich habe dich doch gefragt.“

Er: „Du hast ich gar nichts gefragt. Wie kommst du darauf? Das ist doch nur in deinem Kopf passiert.“

Über solcher Szenen sind sich viele Polizisten nicht bewusst. Sie denken bei häuslicher Gewalt nur ans Schlagen.

Wenn du geschlagen wirst, dann rufst du die Polizei und bist voller blauer Flecken. Das ist eindeutig.

Aber wenn diese subtile Gewalt geschieht – man nennt das gaslighting, wenn jemand leugnet, was er selbst gesagt hat – wie willst du das den Polizisten klarmachen?

„Also Herr Polizist, ich habe meinen Mann gefragt, ob ich ausgehen kann, er hat ja gesagt, aber nun darf ich doch nicht.“

Da denkt doch jeder: „Naja, so schlimm ist es jetzt auch nicht.“

Durch das Beispiel, das ich in meinen Lesungen gebe, wird es doch begreiflich, warum es für Frauen so schwierig ist, dem Polizisten an der Tür zu sagen, was wirklich passiert ist. Er kann es meistens ja nicht deuten.

Was ich also mache, ist, Theorie und Praxis zu verbinden. Oftmals bekommen die Teilnehmer meiner Workshops eine Idee vom Modell der Spirale häuslicher Gewalt.

Sie beherrschen bereits die Theorie und dann komme ich, um die Praxis vorzustellen. Dann wird alles viel deutlicher.

Polizisten spüren etwas, aber wissen nicht, dass es sehr wichtig ist, die Opfer aus der Situation zu holen

KK: Was sind die Anzeichen von häuslicher Gewalt?

AW: Eine typische Situation ist es, wenn der Polizist an die Tür kommt und du ihm als Opfer die Tür öffnen und ihm sagen musst, dass nichts passiert ist. Denn der Mann steht versteckt dahinter und hört alles mit.

Ich glaube, dass die Polizisten auf jeden Fall spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Sie wissen aber nicht, wie wichtig es ist, das Opfer aus dieser Situation herauszunehmen.

Ein besseres Beispiel: Stell dir vor, du bist verwundet und musst ins Krankenhaus. Du bist so sehr verwundet, dass du zur Notaufnahme musst. Während der Fahrt sagt dir der Täter mit drohender Stimme: „Erzähl ruhig, was passiert ist. Dann bist du am Ende und ich werde eingesperrt. Und sie nehmen uns die Kinder weg.“

Dann kommst du im Krankenhaus an und der Arzt fragt dich: „Was ist denn genau passiert?“

Was machst du als Opfer von häuslicher Gewalt? Bevor du antwortest, schaust du rüber zu deinem Partner und er zu dir und es geht hin und her mit den Blicken. Das ist ein Signal.

Denn, wenn einfach so etwas passiert ist, dann sagst du dem Arzt ohne Umschweife, was passiert ist. Dann bittest du nicht erst den Partner mit Blicken um Rederlaubnis, sondern sprichst mit dem Arzt und siehst ihn dabei an.

Auffällig ist auch, wenn man sich die Rippen bricht, weil man die Treppe heruntergefallen ist. Denn in diesem Fall wäre auch der Rücken verletzt. Wenn dem nicht so ist, sind die Rippenbrüche nicht logisch. Schaut der Verletzte vor dem Notarzt dann noch den Partner an mit der Frage im Blick: „Habe ich alles richtig gesagt?“…

Das sind die Signale.

Ich bin für dich da

KK: Was können wir tun als Nachbarn, Freunde, Kollegen, wenn wir häusliche Gewalt vermuten?

AW: Etwas zu tun ist das Schwerste. Denn wenn jemand was auch immer bemerkt, will er nicht damit behelligt werden. Es geschieht ja bei den Nachbarn, das geht mich nichts an.

Jedem Menschen, der Opfer von häuslicher Gewalt ist, hilft es, wenn man ihn wissen lässt, dass man für ihn da ist.

Man sollte ihn niemals fragen: „Wirst du geschlagen?“ Damit erreicht man nichts, denn das Opfer wird antworten: „Nein, wieso?“

Wenn du also jemanden kennst, der das durchmacht, dann kannst du der Person die Hand auf die Schulter legen und sagen, dass du jederzeit für sie da bist. Wenn sie dich braucht, kann sie jederzeit kommen. Das sind Angebote. Und es braucht viele Angebote, die ein Opfer hören muss, bevor es sie annehmen kann.

Normalerweise hören Opfer die Fragen: „Warum gehst du nicht? Warum lässt du das zu? Warum lässt du dich schlagen?“ So etwas will man nicht hören.

In dieser Situation braucht man Menschen, die einen verbal und nonvervbal wissen lassen, dass man jederzeit zu ihnen kommen kann. Und der Moment wird kommen, dass man dazu bereit ist. Das kann ein Jahr dauern. Oder leider auch 30 Jahre. Wichtig ist zu wissen, dass man jederzeit zu jemandem gehen kann. Zu jemandem, der das Geschehene eventuell gesehen, aber auf jeden Fall gesagt hat, vielleicht auch ohne Worte. Und das Angebot muss man immer aufrecht erhalten.

Wenn du wirklich das Gefühl hast, dass bei deinen Nachbarn etwas nicht stimmt, zögere nicht, sondern ruf die Polizei. Aber das traut man sich ja meistens nicht, weil es bei den Nachbarn geschieht…

Mein großer Tipp an alle Freunde, Familien, Bekannten und Kollegen: Sag, dass du denjenigen siehst und dass du immer an seiner Seite bist.

Ich bin genug

KK: Was können wir tun als Nachbarn, Freunde, Kollegen, wenn wir häusliche Gewalt vermuten?

AW: Etwas zu tun ist das Schwerste. Denn wenn jemand was auch immer bemerkt, will er nicht damit behelligt werden. Es geschieht ja bei den Nachbarn, das geht mich nichts an.

Jedem Menschen, der Opfer von häuslicher Gewalt ist, hilft es, wenn man ihn wissen lässt, dass man für ihn da ist.

Man sollte ihn niemals fragen: „Wirst du geschlagen?“ Damit erreicht man nichts, denn das Opfer wird antworten: „Nein, wieso?“

Wenn du also jemanden kennst, der das durchmacht – und du weisst das – denn wir haben alle unser Bauchgefühl – dann kannst du der Person die Hand auf die Schulter legen und sagen, dass du jederzeit für sie da bist. Wenn sie dich braucht, kann sie jederzeit kommen. Das sind Angebote. Und es braucht viele Angebote, die ein Opfer hören muss, bevor es sie annehmen kann.

Normalerweise hören Opfer die Fragen: „Warum gehst du nicht? Warum lässt du das zu? Warum lässt du dich schlagen?“ So etwas will man nicht hören.

In dieser Situation braucht man Menschen, die einen verbal und nonvervbal wissen lassen, dass man jederzeit zu ihnen kommen kann. Und der Moment wird kommen, dass man dazu bereit ist. Das kann ein Jahr dauern. Oder leider auch 30 Jahre. Wichtig ist zu wissen, dass man jederzeit zu jemandem gehen kann. Zu jemandem, der das Geschehene eventuell gesehen, aber auf jeden Fall gesagt hat, vielleicht auch ohne Worte. Und das Angebot muss man immer aufrecht erhalten.

Wenn du wirklich das Gefühl hast, dass bei deinen Nachbarn etwas nicht stimmt, zögere nicht, sondern ruf die Polizei. Aber das traut man sich ja meistens nicht, weil es bei den Nachbarn geschieht…

Mein großer Tipp an alle Freunde, Familien, Bekannten und Kollegen: Sag, dass du denjenigen siehst und dass du immer an seiner Seite bist.

Ich bin genug“

Es sind gerade mal drei Wörter, die im Leben wichtig sind.

Secret Slave

Eine Frau verschwindet von einer Sekunde auf die andere. Niemand weiss, in welche Richtung sie gegangen ist. Oder ob sie alleine war.

Manche Frauen werden vermisst und gesucht. Die Polizei fahndet und bittet um Mithilfe bei der Suche. Andere wiederum werden noch nicht einmal als vermisst gemeldet. Viele bleiben für immer verschwunden und vielleicht wird man niemals wissen, ob sie noch leben oder schon längst tot sind.

Aber glücklicherweise tauchen ein paar Frauen wieder auf. Sie haben überlebt. Natascha Kampusch und Elisabeth Fritzl sind nur zwei Namen, die stellvertretend für viele stehen. Was sie überlebt haben, erzählen sie: in Polizeiberichten, Autobiografien, Interviews, Therapiesitzungen. Sie erzählen ihre Geschichte, berichten von ihrem Leben in der Hölle und wie sie trotz all dem Grauen überlebt haben.

Die Hölle ist bei fast allen Gefangenschaft, Folter, körperliche und psychische Misshandlung und tägliche brutale Vergewaltigung.

Viele Vergewaltigungen haben Schwangerschaften und Geburten zur Folge. Oder Fehlgeburten. Die Kinder dieser Sexualverbrechen werden von den Tätern entweder ausgesetzt, getötet oder verkauft. Die physische und psychische Gesundheit der Mutter wird nicht weiter beachtet.

Von manchen Opfern dieser horrenden Verbrechen erfahren wir, wie es ihnen heute geht.

Man kann davon ausgehen, dass alle Überlebende versuchen, sich wieder ein würdiges Leben aufzubauen. Doch ein normales, sorgloses Leben werden sie nie wieder haben. Posttraumatischer Stress, Albträume, physischer Verfall uvm. werden sie ihr Leben lang begleiten.

Das ist auch der Fall von Anna Ruston. Als 15-Jährige wurde die Engländerin in eine Falle gelockt und 13 Jahre als Sexsklavin gefangen gehalten. Von einer gesamten Familie. Während dieser Zeit brachte sie vier Kinder zur Welt, von denen sie keines behalten durfte. Alle wurden verkauft.

Ihr Buch „Secret Slave“ (noch nicht ins Deutsche übersetzt) erschien 2017. Für Anna war das Schreiben des Buches mit Hilfe von Jacquie Buttriss eine Therapie und ein Weg, ihr Grauen in Worte zu fassen.

Ich habe das Buch gelesen und muss sagen, dass es für mich die schwerste Lektüre überhaupt war. Das Buch hat gerade mal etwas mehr als 300 Seiten. Ich habe einen Monat gebraucht, es zu lesen. Bei jedem Kapitel wurde es mir schwerer, die Seiten umzublättern, je mehr Einblick ich in Annas Horror bekam. Ihre Depression und ihre Schmerzen wurden spürbar. Die seelischen Torturen, denen sie ausgesetzt war, waren fast unerträglich zu lesen.

Wer das Buch lesen will, muss sich auf Einiges gefasst machen, denn die Erzählungen sind schonungslos. Trotzdem bringen sie nur einen Bruchteil dessen rüber, was Anna erlebt hat.

In der Presse wurde der Wahrheitsgehalt des Buches von Anna Ruston kritisiert. Man sagt, die Geschichte habe ihre Inspiration am Schicksal der Elisabeth Fritzl gefunden und an den Tatsachen, dass in den frühen 2000er Jahren in London mehrere Fälle von sexuellem Missbrauch und Pädophilie durch pakistanische Bürger/Clans/Familien aufgedeckt, aber nie wirklich publik gemacht und strafrechtlich verfolgt wurden. Die Behörden hatten Angst, als rassistisch abgestempelt zu werden.

Natürlich kann ich die Geschichte von Anna nicht bestätigen, weil ich Anna nicht kenne. Aber, warum sollte ich daran zweifeln?

Entführungen und sexuelle Gewalt, wie Anna sie beschreibt und wie auch Natascha Kampusch und Elisabeth Fritzl sie durchlitten haben, geschehen öfter, als man denkt.

Wer sind die Täter?

Normalerweise der nette Nachbar von nebenan.

Wo geschieht so etwas Schreckliches?

Bestimmt nicht in der einsamen Hütte im Wald. Oder im Verlies eines seit Jahrzehnten verlassenen Krankenhauses. Das sind Szenarien, wie sie in Horrorfilmen gerne genutzt werden.

Der Tatort ist oftmals das Haus, an dem man täglich vorbeifährt. Wo der Garten tadellos aussieht und vielleicht auch Kinder dort spielen.

Leider sind sich viele Menschen nicht der Macht der Manipulation bewusst. Viele können sich nicht vorstellen, dass Täter manchmal ein sehr leichtes Spiel haben, ihre Opfer zu überwältigen.

Die meisten wissen nicht, wie Psychoterror funktioniert.

Und leider wissen auch viele Mitarbeiter der Polizei, der Krankenhäuser und Pflegedienste nicht, die Signale häuslicher Gewalt zu verstehen. Deshalb können sie auch keine Hilfe anbieten. Und wie oft werden Täter auch durch die Gesetze geschützt und können sich dann ungehindert weiter an ihrem Opfer vergreifen?

Die oben erwähnten Fälle von jahrelanger brutaler Gefangenschaft werden erst in der Presse breitgetreten. Bis sich niemand mehr dafür interessiert.

Das wird auch immer so sein.

Deshalb ist es umso wichtiger, Geschichten wie die von Anna Ruston zu kennen und die Augen nicht zu verschließen.

„Freiheit für Perez“

Im Jahr 2018 stieß ich bei YouTube auf ein Video über den Fall Michael Perez. Zehn Jahre zuvor wurde der damals 26jährige Mann von einem Richter zu einem geschlossenen Klinikaufenthalt verurteilt, weil er während eines Streits mit seinem Vermieter die Kontrolle verlor und diesem ein blaues Auge schlug.

Das ist zugegeben keine Lösung. Aber erst recht kein Argument dafür, dass ein Gutachter ihn als gemein- und fremdgefährlich einstuft und daher für die geschlossene Psychiatrie plädiert.

Die Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie an der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach wird dann Michaels Gefängnis. Die Klinik gleicht von außen einer Strafanstalt und drinnen wird Michael eher wie ein Strafgefangener, denn als ein Patient behandelt. Diese grausame, foltergleiche Behandlung hinterlässt ihre Spuren bei Michael.

Michael Perez 2018 (li) und 2006 (re)
Quelle: SWR

Da er merkt, dass ihm die verabreichten Medikamente nicht guttun, möchte er sie nicht mehr einnehmen. Daraufhin wird er in Isolierungshaft gesperrt. Er verbleibt die nächsten 10 Jahre allein in einem Raum ohne Fernsehen, Radio, Bücher etc. Manchmal wird ihm eine Stunde Hofgang mit Hand- und Fußfesseln gewährt. Ab und an darf er Besuch empfangen. Mir kommen bei solch einer Beschreibung Bilder von fiktiven Personen wie Hannibal Lecter aus dem Film „Das Schweigen der Lämmer“ in den Sinn.

Wir erinnern uns: Michael schlug seinem Vermieter ein blaues Auge! Wie oft geschieht das an jedem Wochenende in zig deutschen Kneipen und auf dem Kirmesplatz?

Seine jüngste Schwester Bianka kann und will diese Situation nicht hinnehmen. Sie entscheidet sich, für die Freilassung ihres Bruders zu kämpfen. Bald schon merkt sie, dass dieser Kampf ihr Einiges abverlangt: Behörden, die sich stur stellen und Menschen pauschal nach Paragraphen abfertigen; Nachbarn, die Michael gerne lebenslänglich weggesperrt wissen wollen, zerstörte Hoffnungen, tiefe Enttäuschungen.

Bianka Perez
Quelle: xing.com

Sie gerät an ihre Grenzen und überwindet sich selbst unzählige Male. Gibt nicht auf. Sucht nach Wegen und Personen, die ihr in diesem Kampf gegen menschenunwürdige Ungerechtigkeit helfen können.

Und sie findet sowohl Wege als auch Personen. Der Verleger Olaf Junge vom underDog-Verlag lädt sie ein, ein Buch zu schreiben. Das hat sie auch getan. In ihrem Werk „Die schwarze Liste“ erzählt sie die ganze Geschichte. Offen und ehrlich. Veröffentlicht Biografisches, Gutachten, Korrespondenzen und Auszüge der Patientenakte. Dabei ist sie stets bedacht, den Verantwortlichen nicht zu schaden, sondern sich für die Freilassung ihres Bruders einzusetzen.

Foto: Kai Kreutzfeldt

Biankas Kampf dauert zehn Jahre. Ein paar Dokumentarfilme wurden vom SWR gedreht und veröffentlicht. Authentische Bekanntmachung ist wichtig. Der Kampf hat sich gelohnt, denn seit letztem Jahr ist Michael wieder frei. Und diese Befreiung fühlt sich eher wie eine Entlassung aus dem zu Unrecht abgesessenen Strafvollzug an, als das Ende eines Klinikaufenthalts.

Das Erste, was Michael draußen wollte, war ein Döner.

Mich beeindruckt zutiefst der Mut von Bianka, sich den Autoritäten zu stellen, nicht aufzugeben und jedes Risiko auf sich zu nehmen, um ihren Bruder zu befreien! Heute beglückwünsche ich sie zu ihrem Mut, ihrem Durchhaltevermögen und ihrem festen Glauben an die Gerechtigkeit!

Papa hat sich erschossen

Foto: Patrick Ohligschläger

Das war 2008. Da nahm sich der Vater von Saskia Jungnikl das Leben. Erfahren hat sie dies von ihrer Mutter, die ihr am Telefon sagte: „Papa hat sich erschossen.“

Nur vier Worte, die so nüchtern klingen und doch die Kraft hatten, Saskias Leben in „Vorher“ und „Nachher“ zu teilen. Vier Worte, die eine Welt zusammenstürzen ließen und die mehr Fragen aufwarfen, als Klarheit zu schaffen. Vier Worte, die zum ständigen Begleiter wurden derer, die zurückblieben.

http://www.spiegel.de/video/orf-papa-hat-sich-erschossen-video-99011507.html

Suizid ist im Leben unzähliger Menschen ein aktuelles Thema. Und trotzdem ist es noch tabu, darüber zu sprechen. Dabei ist gerade das offene Reden über Suizid die Möglichkeit für suizidale Menschen, sich endlich mal öffnen und anvertrauen zu können. Die Offenheit, über Selbstmordgedanken zu sprechen, kann so viele Leben retten.

Saskia Jungnikl dokumentiert den Selbstmord ihres Vaters und ihren Umgang mit dieser Tatsache auf eine bewundernswerte Weise, die genauso sachlich wie gefühlvoll ist. Man hört in jedem Satz, dass sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat und versucht, zu verstehen. Ohne jemals zu urteilen.

“ Eine Woche vor seinem Tod habe ich meinen Vater das letzte Mal lebend gesehen. Ich war das Wochenende über zu Hause, und kurz bevor ich fahre, renne ich ihm an der Küchentür in die Arme. Er hält mich fest und sagt, dass er mich liebt. Und er fragt, ob ich ihn in guter Erinnerung haben werde, wenn ich alt bin. Mein Vater neigt manchmal zum Pathetischen, also lache ich und umarme ihn fest. Ich sage ihm, dass ich ihn auch liebe. Er hat sich von mir verabschiedet. Es ist schaurig, dass er wusste, dass wir uns nie wieder sehen, ich aber nicht.“ – derstandard.at/1363705757847/Papa-hat-sich-erschossen

VORSICHT! MOMO IST WIEDER DA!!!

Es wird per Whatsapp ein Kettenbrief von MOMO rumgeschickt.
Der Hintergrund ist für mich erschreckend krank, denn diese besagte MOMO fordert Kinder auf, schreckliche Dinge zu tun. Das Schlimmste sind die Aufforderungen, andere oder sich selbst zu verletzen bzw. zu töten.

In Brasilien hat ein 4jähriger (!!!) Junge im letzten Jahr auf MOMOs Aufforderung hin einen Selbstmordversuch unternommen. Denn MOMO sagt und zeigt, wie man es am besten macht. (siehe Bild oben)

ES GEHT UM KINDER!!!

Betrügerbanden, Heiratsschwindler…alle schlimm und kriminell. Aber das Motiv ist klar: Geld!

Aber was steckt hinter MOMO?
Kontrollzwang? Extremer Narzissmus?

Egal, was. MOMO ist mehr als kriminell.

MOMO ist menschenverachtend und höchst toxisch!

MOMO agiert weltweit und schickt sprachlich dilettantische Nachrichten.

Die Nummern von MOMO sind:

+573135292569
+81345102539
+5226681734379

Bitte niemals annehmen oder darauf reagieren!!!

MOMO missbraucht die Kunstfigur „Vogelfrau“ der japanischen Kultur.

So klärte die Berliner Zeitung am 26.09.2018 auf:

„Momo“ ist eigentlich Kunst

Was hinter der gruseligen Frau auf dem Profilbild steckt kann aber zum Glück einfach erklärt werden. Es ist eine Skulptur, die schon vor zwei Jahren in einer japanischen Galerie ausgestellt wurde. Die Vanilla-Galerie in Tokio ist bekannt für ihre ungewöhnlichen Ausstellungsstücke.
Die Skulptur stellt übrigens eine Figur aus dem japanischen Volksglauben dar, einen sogenannten Yōkai. Das sind dämonenähnliche Fabelwesen, die den Menschen meist moralische Lehren erteilen sollen. Der Yōkai auf dem die „Momo“-Skulptur beruht wird Ubume genannt, wobei der Name zwei verschiedene Yōkai beschreibt.

Einmal den Geist einer Frau, die kurz vor, während oder nach der Geburt ihres Kindes gestorben ist und in dunklen regnerischen Nächten erscheint, um nach Hilfe zu rufen. Sowie einen bösartigen Vogel, der nachts Kinder entführt. „Momo“ scheint also eine Kombination aus beiden Ubume-Variationen darzustellen. Im Original hat die Skulptur auch noch kräftige Vogelfüße.Die Skulptur stellt übrigens eine Figur aus dem japanischen Volksglauben dar, einen sogenannten Yōkai. Das sind dämonenähnliche Fabelwesen, die den Menschen meist moralische Lehren erteilen sollen. Der Yōkai auf dem die „Momo“-Skulptur beruht wird Ubume genannt, wobei der Name zwei verschiedene Yōkai beschreibt.

Weitere wichtige Informationen gibt es hier: https://www.merkur.de/multimedia/momo-muenchner-polizei-warnt-erneut-vor-momo-challenge-sollten-sie-beachten-zr-10059888.html

Lieber Papageno als Werther!

Goethe und Mozart waren Genies. Ein jeder auf seine Art und Weise. Ich bewundere beide – aber bei einem Punkt ist mir Mozart lieber.

In Mozarts „Zauberflöte“ gibt es den Vogelhändler Papageno, der sich umbringen will, weil er seine geliebte Papagena als verloren glaubt. Zum Glück schaffen es drei Knaben, ihn von diesem Vorhaben abzubringen.

In der Psychologie haben wir heute den Werther-Effekt (nach Goethes Werk „Die Leiden des jungen Werthers“ im Romantismus) und den Papageno-Effekt (nach Mozarts Zauberflöte).

Leider ist der Werther-Effekt viel bekannter. In Goethes Werk nahm sich der junge Werther das Leben, weil er nicht mit seiner Geliebten zusammenkam. Der Selbstnord aus frustrierter Liebe wurde damals als „romantisches Highlight“ angesehen und reihenweise brachten sich junge Männer um. Sie wollten damit nur ihre Liebe beweisen.

Schlimm ist der Werther-Effekt heute noch, wenn jemand sich durch den Freitod eines Promis darin bestätigt fühlt, dasselbe zu tun.

Unbekannter ist der Papageno-Effekt. Also, die Verhinderung eines Selbstmordes, weil Außenstehende den Betroffenen vor dieser Untat bewahren und ihm die Schönheiten des Lebens aufzeigen können.

Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, hat sein Überleben des Konzentrationslagers in einem Buch niedergeschrieben. Mit dem Titel Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.

Das gilt auch für die Prävention des Selbstmordes. Wer den höheren Sinn des Lebens erkennt, wird sich nicht leichtfertig das Leben nehmen. Und damit spiele ich kein Leid nieder.

Im Gegenteil, ich nehme persönliches Leid sehr ernst. Manches Leid meiner Klienten kann ich nachvollziehen und verstehen. Manch anderes kann ich mir nur vorstellen. In beiden Fällen urteile ich nicht. Ich bin immer bestrebt, das Leben zu erhalten und es lebenswert zu machen.

Darum bin ich überzeugt, dass Selbstmord (Suizid, Freitod etc.) keine (Er)Lösung ist.

Warum ich das so sehe, erkläre ich in meinem Vortrag am 31.03.2019 in Amsterdam.

Weitere Informationen sind dem Foto zu entnehmen oder können an mich per Mail kazaa71@web.de bzw. per Whatsapp +491784113484 gerichtet werden.

OB8 – Noten gegen Missbrauch

Am 30.03.2019 veranstaltet Tour41 e.V. in der Sülztalhalle Kürten einen Benefizabend mit Live-Programm für eine Kultur des Hinsehens & Hinhörens.

Offiziellen Statistiken zufolge werden in Deutschland jeden Tag 41 Fälle des sexuellen Missbrauchs an Kindern gemeldet. Das sind im Jahr 14.965 schreckliche Verbrechen, deren Dunkelziffer sicher noch um ein Einiges höher ist. Eine Anzeigepflicht von sexuellem Missbrauch an Kindern besteht in Deutschland nicht.

Und es gibt Verjährungsfristen dieser Straftaten hierzulande. Und genau für die Abschaffung dieser Fristen kämpft Tour41 e.V.

Diese wichtige Arbeit kann jeder gerne unterstützen. Auch durch den Besuch des unten angekündigten Benefizabends!

Veranstaltung: OB8 – Noten gegen Missbrauch

Datum: 30.03.2019

Ort: Sülztalhalle Kürten, Olpener Straße 1, 51515 Kürten

Ticketpreis 15,-€

10 Jahre Unisana – Tag der offenen Tür

Die Gemeinschaftspraxis Unisana in Köln bietet seit 10 Jahren ein breites Spektrum verschiedener Therapieangebote an. Ich selbst bin seit fast 8 Jahren mit dabei und schätze es sehr, wie die Inhaber Ulrike und Harald Deutsch das Praxiszentrum leiten.

Am 06.04.19 feiern wir das 10-jährige Jubiläum von Unisana mit einem Tag der offenen Tür und einer Hausmesse.

DAS PROGRAMM (Änderungen vorbehalten):

Tag der offenen Tür 06.04.2019
Programm der Vorträge & Workshops

Raum 1

11.15 Uhr Meditation im Alltag, geht das? Bernhard Dübe Anschließend Meditative Einführung

13.00 Uhr Seil(e)tanz der Gefühle Antje Keller 14.15 Uhr Der Sinn unseres Lebens Irmgard Mayer Anschließend Meditative Einführung

Raum 2

11.15 Uhr Systemische Aufstellung in Kurz-Sequenzen Monika Huisgen, Life- und Job-Coach

12.00 Uhr Lernen Sie die positiven Effekte von Coaching kennen Michaela Klein, Systemischer Coach

13.15 Uhr Ein neuer Blick auf das Wir – Wie stärke ich unsere Paarbeziehung Antonia Torras, Gestalttherapeutin, Systemischer Coach

13.50 Uhr Selbsthilfe und Schutz für Angehörige psychisch Kranker Kai Kreutzfeldt, Heilpraktiker Psychotherapie

15.00 Uhr Hindernisse in Chancen verwandeln – mit Achtsamkeit Dieter Weiser, Heilpraktiker Psychotherapie

Änderungen vorbehalten

Raum 4

11.15 Uhr – 13.15 Uhr Shiatsu Kurzbehandlungen 14.15 Uhr – 16.00 Uhr Shiatsu Kurzbehandlungen Margit Dela, Körpertherapeutin

Gruppenraum

Infostände

12.30 Uhr Homöopathische Mittel und Ihre Wirkung Magdalena Schneider, Heilpraktikerin

14.00 Uhr Coaching versus Beratung Jutta Wielpütz, Coach

Buchtipp: Neben der Spur – Christiane Wirtz

Beim abendlichen Zappen blieb ich beim SWR hängen, denn das Gespräch in der Talkshow „Nachtcafé“ interessierte mich. Eine blonde, selbstbewusst wirkende Frau sprach über ihre schizophrenen Psychosen. Erzählte Episoden ihrer Geschichte, als sie psychotisch war. Manchmal muss sie über sich selber lachen und man lacht gerne – und erleichtert – mit.

Aha, man darf also lachen über die verrückten Geschichten der anderen? Psychotische Episoden in der Schizophrenie sind leider so abstrus, dass man die Betroffenen entweder gerne als bekloppt oder fantasiereich abstempelt. Über die Geschichten, die sie erzählen, muss man oft lachen. Wenn man nicht genau weiß, was ein Wahn wirklich bedeutet und welches Leid dahinter steht.

Die Journalistin Christiane Wirtz spricht offen über ihre Schizophrenie. So offen, dass sie ein Buch darüber veröffentlicht hat: „Ich möchte jetzt das Thema journalistisch und unter Beteiligung einiger Leidtragender und Beobachter anpacken. Ich habe mich dazu entschlossen, aber noch ein wenig Angst. Was wird diese Veröffentlichung für meinen weiteren beruflichen Weg bedeuten? Was, wenn ich wieder meinen Job verliere, was, wenn Personaler mich, wenn ich mich künftig bewerbe, aussondern? Was, was, was…?“

Mit ihrem Buch „Neben der Spur“ beweist Christiane Wirtz Mut. Mut, ihre Geschichte zu erzählen, wissend, dass sie auf Unverständnis stoßen kann.

Und Mut, sich für all die psychisch Kranken einzusetzen: „Psychisch Kranke sind nicht der Bodensatz der Gesellschaft, den man aussondern darf.“

Sie schreibt: „Ich hab schmerzlich feststellen müssen, dass eine große Sprachlosigkeit und Scham herrscht, wenn es um Psychosen geht. Viele Menschen haben eine Heidenangst davor. Es ist ein riesiger Unterschied, wie andere mit mir umgehen, je nachdem, ob sie von meiner Erkrankung wissen oder nicht. Dabei sind recht viele von Psychosen direkt oder indirekt betroffen, allein unter Schizophrenie leidet ein Prozent der Bevölkerung weltweit. Besoders kränkend ist es für mich, wenn ich gegen Mauern anrenne; wenn Menschen mich auflaufen lassen, das Gespräch mit mir verweigern – macht ja nichts, ist ja nur so ´ne Bekloppte.“

NEBEN DER SPUR von Christiane Wirtz ist meine Buchempfehlung für diesen Monat. Mit ihrem direkten, unverfänglichen Erzählstil nimmt sie den Leser mit in ihre Welt. Offenbart sich. Schont sich nicht. Sagt klipp und klar, wie die Dinge sind. Danke dafür, Christiane Wirtz!