„Diese eine Nacht im Zelt hat mein Leben vergiftet!“

vergewaltigt.verdrängt.vergessen.

Filmemacherin und Regisseurin Alice Schmid kennt die drei Vs.

Edvard Munch „Pubertät“
(Quelle: Internet)

Obwohl es kein Geheimnis mehr ist, dass Opfer von sexualisierter Gewalt über dieses unbeschreibliche Unrecht, was ihnen angetan wurde, nicht sofort und auch nicht später, sprechen können, beharren Gesellschaft und Justiz immer noch darauf: „Warum hast du denn nicht schon früher was gesagt?“

Warum nicht? Na, weil es nicht ging! Weil es schlichtweg unmöglich war! Aus u.a. zwei Gründen: die Scham über das Geschehene war zu groß und die geschädigte Person hat Zeit ihres Lebens „gelernt“, dass ihre Bedürfnisse nichtig seien und sie selbst gar keine Daseinsberechtigung habe und an dem Geschehenen ja wohl selbst Schuld habe! (Die absurde und aus dem Nichts gegriffene Schuldzuweisung funktioniert leider immer noch zu häufig. Täter wissen das!).

Zweitens: das Grauen war so groß, dass es abgespalten und in die Vergessenheit (oblivion) geschickt wurde. Und da jahrzehntelang verharrt/e. Sodass noch nicht mal die betroffene Person dieses Erlebnis „mal eben so“ ins Bewusstsein rufen kann.

„Ich gehe in die Wüste und komme erst wieder heraus, wenn ich es schaffe, zu sprechen!“

Die Schweizer Filmemacherin und Autorin Alice Schmid hat viele Filme herausgebracht, die immer das gleiche Thema haben: Kinder in Gewaltsituationen! Ihr war nie bewusst, warum sie gerade dieses Thema faszinierte, bis sie eines Tages das Bild „Pubertät“ von Edvard Munch sah. Plötzlich wurde ihr bewusst, warum sie mit 16 Jahren aufgehört hatte, zu reden. Damals wurde ihr während eines Jugendcamps von ihrem Schwimmlehrer nachts im Zelt sexualisierte Gewalt angetan, weil dieser Alice zu ihrem 16. Geburtstag „ein ganz besonderes Geschenk“ machen wollte. Diese Nacht im Zelt hatte ihr das Leben vergiftet und ihr die Sprache genommen.

Es sind 50 Jahre vergangen, in denen Alice Schmid ihrem Beruf nachgegangen ist, Filme unter extremsten Begebenheiten gemacht hat und niemals Angst hatte, obwohl sie dem Tod während ihrer Filmarbeiten schon oft ins Auge sah.

Jahrzehntelang porträtierte sie das Leben von Kindern, die extrem traumatisierenden Erlebnissen ausgesetzt waren. Sie selbst setzte sich dafür Gefahren aus, deren Ausmaß sie sich erst später bewusst wurde. Oder deren Ausmaß sie in diesem Moment gar nicht interessierte.

„Ich muss dem Mädchen in mir verzeihen. Es konnte sich nicht wehren. Nicht zu Hause und nicht im Zelt.“

In ihrem Film „Burning Memories“ zeigt Alice Schmid im künstlerischen Zusammenspiel von Wort und Bild auf eine ehrliche und hoffnungsgebende Weise, ihre Geschichte.

Obwohl diese Auseinandersetzung der eigenen Geschichte von Alice Schmid anderen Betroffenen helfen soll und kann, sei hier eine Triggerwarnung ausgesprochen:

Wenn ihr Betroffene sexualisierter Gewalt seid, schaut euch den Film „Burning Memories“ (bis zum 23.09.23 in der 3Sat-Mediathek) über diesen Link nur in Begleitung an! Mit der Gewissheit, dass dir/euch die Erfahrungen von Alice Schmid helfen können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s