Startseite

 

„Ein Trauma ist eine natürliche Reaktion
auf ein unnatürliches Erlebnis“

(Luise Reddemann)

Die Wechselbeziehung zwischen Bindungsstörung und Trauma

Bindungsstörungen und Traumata sind eng miteinander verbunden, denn ein Trauma kann zu Bindungsstörungen führen. Auf der anderen Seite ist es so, dass bindungsgestörte Menschen oft nicht die Resilienz besitzen, unnatürliche Erlebnisse gut zu verarbeiten und somit ein Trauma erleiden.

Wie entstehen Bindungsstörungen?

Die ersten Lebensjahre sind entscheidend für die psychische Entwicklung des Menschen, da der Säugling in dieser Zeit noch kein Bewusstsein darüber hat, dass er ein eigenständiger Mensch ist. Im Normalfall war er neun Monate Teil des mütterlichen Organismus und braucht diese Rückbestätigung – sprich: den körperlichen Kontakt mit der Mutter – auch und gerade nach der Geburt. Wird ihm dieser Kontakt verwährt (z.B. durch Vernachlässigung), bedeutet das ein traumatisches Erlebnis. Menschen, die als Säugling oft sich selbst überlassen waren, fehlt oft das Urvertrauen. Bei Frühgeburten ist das Risiko einer Bindungsstörung besonders hoch, wenn sie in einen Brutkasten gelegt werden müssen und somit keinen Körperkontakt zur Mutter haben.

Was charakterisiert ein Trauma?

Aufgrund unserer Erfahrungen haben wir eine gewisse Ansicht, wie das Leben funktioniert. Soziale Kontakte und der Alltag geben uns eine Struktur, in der wir uns zu bewegen wissen. Eine abrupte und unvorhersehbare Änderung dieses Ablaufs kann zu einem Trauma führen. Traumata werden in drei Kategorien eingeteilt: „man-made“ Traumata, Naturkatastrophen und kollektive Traumata.

Die erste Kategorie beinhaltet die am schwersten zu verarbeitenden Traumata: Überfälle, Kidnapping und sexueller Missbrauch, um nur ein paar zu nennen. Diese Gewaltaktionen bedrohen ganz direkt das eigene Leben. Naturkatastrophen fordern oftmals Menschenleben und zerstören mitunter alles, was man sich aufgebaut hat. Trotzdem weiß man, dass dieses Unglück nicht gegen einen persönlich gerichtet ist. Und das macht den Unterschied zu den „man-made“ Traumata. Bei kollektiven Traumata (Krieg, Zugunfälle, Flugzeugabstürze etc.) versteht man, dass man dies nicht allein erlebt. Allein dieses Wissen hilft schon, das Trauma besser zu verarbeiten.

Traumaverarbeitung ist individuell

Das Erleben von Traumata und deren Bearbeitung hängt von jedem Einzelnen ab. Für manche ist ein Auffahrunfall im Stadtverkehr, der nur Blechschaden verursacht hat, eine lebensbedrohliche Situation. Andere wiederum schaffen es, körperliche Misshandlungen schnell zu verarbeiten. Oftmals wissen Betroffene gar nicht, dass sie ein Trauma erlebt haben, da sich die belastenden Reaktionen – meist hervorgerufen durch ein Triggererlebnis – erst viel später einstellen können. Und nach 6 – 12 Monaten ist es selbst dem Betroffenen ein Rätsel, warum er sein Empfinden und Reagieren plötzlich nicht mehr unter Kontrolle hat.

Ressourcen und Resilienz

Zwei Dinge, die für die Traumaverarbeitung und die Herstellung von Bindung unentbehrlich sind: Ressourcen und Resilienz! Mit Ressourcen sind alle Mittel und Möglichkeiten gemeint, die man zu seiner Hilfe in Anspruch nehmen kann: persönliche Erfahrungen, Familie, Freunde etc. Resilienz ist die psychische Widerstandskraft, die einem hilft, schwere Lebenssituationen zu überstehen.

Ein traumatisches Erlebnis kann man nicht ungeschehen machen. Aber man kann es verarbeiten.